Montag, 18. März 2013

Gedanken eines Vergessenen

Ich dachte der Winter wäre jetzt endlich vorbei. Aber ich habe mich getäuscht, noch einmal ist er zurück gekommen. Es ist bitterkalt heute. Ein neuer Tag, eine neue Last. Was wird mir der heutige Tag bringen? Wird er mir überhaupt etwas bringen? Ich weiß jedenfalls dass ich wieder nicht warm genug angezogen sein werde, aber aussuchen kann ich es mir ja nicht. Mittlerweile glaube ich ohnehin am gesamten Körper eine Hornhaut zu haben. Vielleicht hält mein Gestank die Kälte fern. Er hält schließlich auch die Menschen von mir fern.

Entweder sie gehen an mir vorbei als wäre ich ein Geist, oder sie machen einen großen Bogen um mich herum, als wäre ich der Tod. Ich bin nicht immer davon überzeugt davon was besser wäre. Leben oder doch lieber sterben um mich und meine Umwelt nicht weiter zu belasten. Dann bräuchte ich mir auch keine Sorgen mehr zu machen. Gar nichts hätte mehr Bedeutung. Aber so einfach ist das alles nicht.

Gegen den Alltag bin ich machtlos, er begrüßt mich jeden Tag wie das Murmeltier aufs Neue. Heute werde ich wieder Mülltonnen nach Essbarem durchsuchen. Menschen werfen oft Nahrungsmittel weg die noch sehr gut sind. Zum Glück für mich. Vielleicht habe ich aber noch mehr Glück und bekomme etwas Warmes bei einem Würstelstand. Hin und wieder ist das so. Das ist dann Weihnachten und Geburtstag zugleich. Etwas zu Trinken zu finden wird dann schon schwieriger, etwas Wärmeres zum Anziehen aber auch. Das ist schon schwer wenn man kein Geld hat, Betteln wird also auch notwendig sein.

Auf jeden Fall muss ich mir heute immer wieder einen warmen Platz suchen um nicht krank zu werden oder zu erfrieren. Meistens findet sich gerade dort ein Platz wo ich unerwünscht bin und ziemlich sicher wieder in die Kälte vertrieben werde.

Dieses Leben habe ich mir nicht ausgesucht, es hat sich mich ausgesucht. Das Schicksal meinte es wirklich schlecht mit mir. Ich hatte einmal ein besseres Leben, aber es hilft nichts. Ich muss aus jedem Tag das Beste machen, das gleichbedeutend ist mit Überleben. Zeit spielt keine Rolle, nur Tag und Nacht.

Hilfe erwarte ich mir von Niemandem. Arbeiten gehen und Geld verdienen ist nicht möglich. Wer nimmt schon einen Obdachlosen auf, der kein Heim, kein Geld, kein Bankkonto und keine Familie hat. Für Menschen wie mich ist kein Platz in der Gesellschaft. Trotzdem existieren wir. Man hat einfach nur auf uns vergessen.

Morgen ist wieder ein neuer Tag, eine neue Last. Nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Menschen, denen ich dann begegnen werde. Ob es ein Morgen geben wird sehe ich dann wenn ich aufwache...



P.S.: In unserer Welt leben nicht nur Menschen denen es gut geht. Auch nicht in unerer Stadt oder unserem Bezirk. Armut existiert. Wenn wir schon nichts für diese Menschen tun, so sollten wir daran denken, dass es sie gibt und dass sie uns brauchen. Leugnen und ignorieren wir sie wenigstens nicht.
Danke fürs Lesen.
lg
Danny

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen