Sonntag, 28. Juli 2013

Menschen 3. Klasse?


Die Rede ist hier mal wieder von obdachlosen Menschen. Es geht hier aber nicht darum dass sie Menschen 3. Klasse sind, denn das sind sie keineswegs. Es geht hier darum, dass die Menschen sie so behandeln, als wären sie es.

Es kommt einem so vor, als würden sich die Menschen sich weniger vor Schlangen und Regenwürmern ekeln als vor obdachlosen Menschen. Sie schlafen in U-Bahnen, in den Stationen und auf den Parkbänken. Sie stinken, weil sie keine Waschgelegenheit haben. Sie pinkeln sich an weil sie nicht die Kraft haben ein WC aufzusuchen und vor lauter Schmerzen am ganzen Körper wahrscheinlich nicht einmal mehr spüren wenn sie mal müssen. Da habe ich hier in Wien schon viel gesehen.

Die Menschen machen einen großen Bogen um die Obdachlosen, als hätten sie die schwarze Pest. Sie halten sich beim Vorbeigehen die Nase zu. Wenn man von einem Obdachlosen angesehen wird, ignorieren wir sie meistens und sehen weg um bloß nichts spenden zu müssen, damit sich dieser Mensch etwas zu Essen oder Trinken kaufen kann. Die versaufen doch eh alles...das habe ich schon öfter gehört. Stimmt das? Das glaube ich nicht, das ist nur eine Ausrede, diesen Menschen kein Kleingeld geben zu müssen. Und selbst wenn es stimmt, was soll´s? Versauft er es eben. Die meisten gesunden Menschen versaufen ihr Geld auch. Und ihnen darf es auch niemand verbieten, oder? Diese Ausrede kann also keineswegs gelten.

Die Gesellschaft, also wir alle, wollen diese Menschen irgendwie nicht haben. Weder auf den Straßen noch sonst wo. Auch die Politik ist an solchen Menschen nicht interessiert. Es wird so getan, als würden sie nicht existieren. Sie sind aber da. Die allgemeine Meinung, sie sind selbst schuld daran dass sie obdachlos sind, kann ich ebenfalls nicht gelten lassen. Jeder, der das sagt kann das nicht beweisen. Das ist einfach nur Klugscheißerei. Warum suchen sie sich nicht einen Job? Richtig gelesen, auch das habe ich schon gehört. Hätten sie gearbeitet, wäre das nicht passiert. Woher wissen wir aber, dass diese Menschen nicht einmal ein schönes Leben hatten, mit Job, Familie und so weiter. Wir wissen es nicht, behaupten es aber trotzdem. Reden ohne vorher zu Denken kann man sich leisten wenn Geld in der Tasche ist.

Niemand kennt das Schicksal eines Obdachlosen, bevor er sich nicht mit ihm ausführlich unterhalten hat. Ich urteile lieber nicht über Menschen, die ich nicht kenne und deren Leben ich nicht mitverfolgt habe um es zu kennen. Und trotzdem machen das viele Menschen. Ein Besserwisser zu sein ist einfach, man muss nur etwas behaupten, was ein anderer Mensch dann glaubt. 

Wer sich für jemand Besseren hält, darf gerne darüber nachdenken was das überhaupt bedeutet. Was macht uns eigentlich besser? Wohlstand? Ein gut bezahlter Job? Haus oder Wohnung? Ein teures Auto? Oder es sich immer wieder leisten können auswärts Essen zu gehen? Mit Sicherheit keines von allem. Der Charakter macht die Menschen aus. Und ist unser Charakter wirklich besser als der eines Obdachlosen? So genau weiß das niemand. Man kann es eben nur behaupten. Werden wir es einmal wissen? Keine Ahnung. Bis dahin sollten wir etwas respektvoller mit unseren Mitmenschen umgehen, auch mit Obdachlosen...vielleicht hilft es ja, unseren Charakter ein wenig zu stärken.




Kommentare:

  1. Menschen sind gleich und verdienen es mit gleich viel Respekt und Achtung behandelt zu werden. Wenn das mehr Menschen verstehen würden, müssten wir uns weniger Sorgen um wachsende dikriminierende und rassistische Tendenzen machen. Ich halte auch nichts von herabwürdigendem Verhalten. Also ein schöner Appell am Ende.

    Ich gehöre allerdings auch zu den Menschen, die Obdachlosen kein Geld geben würden, wenn der Verdacht besteht, dass sie es gleich für Alkohol etc. ausgeben. Natürlich versaufen auch andere Menschen ihr Geld, aber da gibt es einen kleinen aber feinen Unterschied: Ich finanziere deren Selbstzerstörung nicht. Verstehst du was ich meine? Sie können so viel saufen wie sie wollen, aber mein Geld soll optimalerweise einem gutem Zweck zukommen.Ich halte mehr davon,in solchen Fällen Essen und Getränke zu verteilen. :)

    Liebe Grüße

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    1. Hi,
      danke auch hier für deinen Kommentar. Freue mich immer wieder wenn sich jemand die Mühe macht etwas zu meinen Gedanken zu schreiben. :-)
      Was mich am meisten stört ist diese unglaublich arrogante Behandlung dieser Menschen. Da wird mir oft richtig schlecht wie überheblich man sein kann nur weil man Geld hat. :-(
      Ich verstehe sehr gut was du meinst, es war auch sehr sehr lange meine Einstellung dazu, den Obdachlosen kein Geld zu geben weil sie es ohnehin versaufen. Ich habe aber schon obdachlose Menschen auf ein Eis oder auf ein Würstchen mit Getränk eingeladen. Bisher konnte ich auch nicht feststellen, ob mein Geld versoffen wird oder nicht. Deshalb spende ich dann lieber doch und freue mich auf ein Lächeln, das ich manchmal zurück bekomme. Viele von ihnen können nicht mehr lächeln und haben ihre Emotionen verloren. Das wundert mich aber auch nicht. Essen und Getränke verteilen, davon halte ich auch sehr viel und ich bin persönlich stolz auf jeden Menschen, der das macht. Es gibt aber auch dazu noch Ideen, die ich in einem meiner nächsten Posts dann bringen werde. :-)
      Liebe Grüße

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