Mittwoch, 28. August 2013

Politisches Kasperltheater



Ein österreichischer Privat-TV-Sender hat quotenhalber entschieden, die beiden österreichischen Kanzlerkandidaten vor den Nationalratswahlen auf ein Duell loszulassen. Sie bieten also dem roten Kasperl und dem schwarzen Pezi eine Plattform, sich rhetorisch auszutoben und die Kinder draußen von sich selbst zu überzeugen. Damit erhalten sie leider die Beachtung, die nicht den Beiden zusteht sondern den Menschen zustehen müsste.
Den Menschen, von Politikern zu „Wählern“ degradiert, sollte man zuhören, da nur diese die Probleme kennen, die es zu lösten gilt. Auch den „Nichtwählern“ sollte man besser zuhören, da diese doch ziemlich genau wissen warum sie nicht wählen gehen. Leider hat die Politik wenig Ahnung von „den Menschen da draußen“, von Machterhaltung und Machtergreifung dafür umso mehr.

Zurück zum Kanzlerduell. Im Studio befinden sich 100 Zuseher, ein Körpersprachenexperte, ein Meinungsforscher, ein Politikexperte, eine Moderatorin beim Publikum und eine, die Kasperl und Pezi die Möglichkeit gibt zu antworten. Wie ein Fußballspiel angelegt, also zwei Mal 45 Minuten mit einer Pause, ertönt am Abend der Anpfiff.
Die erste Halbzeit beginnt, der schwarze Pezi ist in Hochform. Viel zu sagen hat er, leider hat er sich auf das gedankenlose Reden beschränkt. Der rote Kasperl macht es auch nicht besser. Die Beiden sollen Fragen aus dem Publikum beantworten, die ihnen von verschiedenen Menschen zu diversen Themen gestellt werden. Sie geben zwar an, auf die Menschen und ihre Themen persönlich einzugehen, beantworten die gestellten Fragen aber in keiner Weise. Viel lieber bringen sie ihre eigenen Themen und Meinungen, den Fragesteller lassen sie links liegen. Auch hat es den Anschein, als würden sie klar und deutlich sprechen, Klarheit ist aber in ihrer Rede das einzig fehlende Element.

Fragen wurden gestellt zu den Themen Arbeitslosigkeit ab 50, Praktikum am Arbeitsplatz, Vermögenssteuer und die viel zu hohen Mieten zum Thema Wohnen.  Das Publikum fragte auch was man gegen Armut tun kann, Bildung und Ganztagsschule waren ebenfalls ein großes Thema. Ein interessantes Thema wäre die „entfesselte Wirtschaft“ gewesen. Wo bleibt dabei der Mensch und warum profitieren davon nur die Unternehmen, nicht aber der einzelne Arbeitnehmer?
In der Halbzeitpause wurden den Zusehern Umfrageergebnisse von 100 ausgewählten Befragten präsentiert. Wer der beiden Kandidaten hat zu welchem Thema die Nase vorne?

In der zweiten Halbzeit ging es um Themen wie Mindestsicherung, Kinderbetreuung in den Ferien für alleinerziehende berufstätige Mütter. Kasperl und Pezi waren sich einig, dass es sich bei der Mindestsicherung von € 800 nicht um eine Hängematte handelt, auf der man sich ausruhen kann. Da frage ich mich schon, wer von € 800 monatlich gut leben soll. Außerdem wurde die schlechte Behandlung beim Sozialamt angesprochen. Weitere Themen waren Pensionen und das Pensionsalter. Schließlich geht es hier um 2,3 Millionen WählerInnen in Österreich. Zum Abschluß war noch die Europapolitik ein großes Thema, Finanzkrise und die Verschwendung von Steuergeldern.
Mein Fazit dieses Kasperltheaters sieht so aus: Pezis Auftritt, der sich ständig in den Vordergrund drängte, war peinlich. Statt Menschen und ihre Fragen anzuhören, ließ man viel lieber den Politikern den nötigen Freiraum, sich selbst darzustellen. Das Auftreten von Kasperl und Pezi war nicht eines zweier Menschen, sondern zweier Politiker, die über den Menschen stehen. Sie sind eindeutig keine von uns. Arroganz konnten sie schwer verbergen und mit Schauspielkunst verstecken.

Es ging niemals um die Menschen selbst, die Kasperl und Pezi wählen sollen. Für mich war auch diesmal eindeutig, dass die Menschen vom Ergebins der Wahl wieder nicht profitieren werden. Die Beiden unterbrachen ständig die Moderatorin und den Politikexperten, was meiner Meinung nach einfach nur dumm war. Es zeigte nur, dass sie nicht fähig sind, andere Menschen zu Wort kommen zu lassen. Sie hören sich einfach nur gerne selbst reden. Solche Menschen kann ich einfach nicht wählen und ihnen die Macht geben, über mich zu bestimmen.
Man hat gemerkt, dass sich keiner von Beiden jemals Sorgen um seine Existenz machen musste. Angst um Job, Wohnung, Familie und Finanzen mussten sie sich nie machen. Sie gaben sich weiters sehr realitätsfremd. Meiner Meinung nach wären weder Kasperl noch Pezi mit einer Mindestsicherung von € 800 monatlich überlebensfähig. Die Fragen der Menschen wurden nicht beantwortet, vielmehr haben sie diese für ihre eigenen Zwecke genutzt.

Ich bin der gleichen Meinung wie der dort anwesende Meinungsforscher, dass beide Herren beim Publikum nicht gut angekommen sind, ihre Aussagen trafen auf kein Interesse und waren unglaubwürdig. Schade um die Sendezeit.
Das Traurige hier in Österreich ist, auch andere Parteien und Kandidaten sind nicht besser und haben kein Gefühl dafür was die Menschen brauchen. Die Menschen (von Politikern liebevoll Wähler genannt) sind die einzigen, die das wissen und auch die einzigen, die daran etwas ändern können. Die nächste Wahl ist nicht mehr weit…

Kommentare:

  1. Noch treffender hätte man diese Comedy Show nicht beschreiben können lieber Danny!
    Einfach unglaublich wie viel ein Mensch reden kann und dabei gleichzeitig NICHTS sagt, tja an so was gewöhnt man sich wohl nie...

    Knutsch N.

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    1. Hi,
      nein an so etwas will ich mich auch gar nicht gewöhnen. Nachdenken und Hinterfragen ist immer besser. Nur glauben, was einem erzählt wird, halte ich sogar für gefährlich in der Politik. Aber es darf sich gerne jeder Mensch seine eigene Meinung dazu bilden. :-)
      Liebe Grüße und Danke für deinen Kommentar.

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  2. Treffend formuliert!
    Ich habe es mir extra nicht angesehen, sonst hätte ich wieder einen dicken Hals bekommen. Auf dieses Bla Bla im TV bin ich auch echt nicht mehr neugierig :)
    lg Manu

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    1. Hi Manu,
      das bin ich auch nicht, aber ich möchte schon wissen womit sie versuchen die Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Auf Plakaten und in den Zeitungen ist wenig ausser den Themen dazu zu finden. Hintergründe erfährt man leider keine, auch in diesem TV-Duell nicht, was aber viel wichtiger ist.
      Danke für den Kommentar. :-)
      Liebe Grüße

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