Montag, 25. November 2013

Wie alt muss man werden um auf der Straße zu landen?


Immer wieder beobachte ich in der Stadt in der ich lebe, wie viele Obdachlose hier leben. Oft fällt mir auf, dass es viele alte Menschen ohne Zuhause gibt. Das macht mich wirklich traurig, es berührt mich einfach. Ich wollte schon seit längerer Zeit darüber schreiben, aber heute konnte ich eine ältere Dame beobachten, die an der Busstation war, bei der auch ich auf meinen Bus warte.

Ich war gerade am Heimweg, als ich zur Busstation ging und diese ältere Dame mit Strickweste und langem Rock dort stand. sie hatte 3 große Plastiksackerl (Tüten), die voll mit irgendwelchem Kram waren. Sie versuchte, diese so hinzustellen, damit sie nicht umfielen. Das schien nicht so einfach zu sein. Dann hat sie sich hingesetzt und ein paar Minuten auf den Bus gewartet. Es war offensichtlich, dass sie obdachlos war, ihr Alter möchte ich hier mal auf 65 Jahre schätzen. 

Sie stieg dann auch in den Bus ein und fuhr zwei Stationen bis sie wieder ausstieg und in der Dunkelheit verschwand. Sie tat mir leid, also machte ich mir meine Gedanken, so wie ich es immer mache...

Die erste Frage die ich mir stellte war, wie alt muss man eigentlich werden um im späteren Leben auf der Straße zu landen? Was muss man alles erlebt haben und wie hat das Leben dieser Dame ausgesehen? Ich bin davon überzeugt, dass es kein Mensch verdient hat obdachlos zu werden wenn er alt ist. Man wurde einmal als Kind von Eltern großgezogen, hat als Kind und Jugendlicher so viel erlebt. Als Erwachsener Mensch sorgte sie vielleicht einmal selbst für ihre Kinder und ihren Mann, vielleicht war sie auch alleine geblieben. Ich weiß es nicht. 

Vielleicht hat sie keine Zeit sich daran zu erinnern, weil sie voll und ganz damit beschäftigt ist, irgendwie zu überleben und über die Runden zu kommen. Das wäre echt traurig. Wie behandeln sie die Menschen, der sie jeden Tag auf der Straße begegnet? Reden sie mit ihr? Fragen sie sie wie es ihr geht? 

Die Dame hat eine Geschichte die niemand kennt. Außer ihr selbst. Sie ist die einzige, die diese erzählen kann. Ich würde sie gerne hören um erkennen zu können was geschehen ist. Ob ich es dann verstehen werde weiß ich nicht, aber versuchen könnte man es doch. 

Vor einigen Tagen las ich auf einem kleinen Plakat folgenden Satz: "Wien hat die höchste Lebensqualität der Welt". Wien ist also die Nummer 1 in Sachen Lebensqualität. Darunter steht noch klein geschrieben, dass es sich um eine Studie aus dem Jahr 2012 handelt. Interessant wäre doch zu erfahren, wie diese Studie gemacht wurde, unter welchen Voraussetzungen und welche Wienerinnen und Wiener für diese herangezogen wurden.

Es leben in dieser Stadt viele Menschen, die sich wenig leisten können. Obdachlose Menschen gibt es auch genug. Jeder, der durch die Stadt spazieren geht kann das ohne Probleme erkennen. Diese Menschen können mit Sicherheit nicht behaupten, eine hohe Lebensqualität zu haben. Sie versuchen von Tag zu Tag, Woche zu Woche und Monat zu Monat über die Runden zu kommen.

Es ist schon sarkastisch, von der besten Lebensqualität der Welt zu sprechen. Denn es gibt keine Durchschnittsmenschen, auch keine Durchschnittswohnungen oder Durchschnittsgehälter. Das sind Zahlen, die in der Wirklichkeit nicht existieren, sie sind Illusionen. Diese werden aber für Studien und Statistiken herangezogen und dann bekommt man solche Ergebnisse. Ein Jammer. 

Es gibt noch viel zu tun um noch mehr Menschen eine gute Lebensqualität in dieser Stadt bieten zu können. Die Politiker schaffen es offensichtlich nicht. Damit sind nicht nur die Regierungspolitiker gemeint, auch alle anderen würden sich nicht besser darum kümmern können. Jeder hält sich für sozial, handelt aber nicht danach. 

Tatsache ist, das Geld, das man für diese angeberische Kleinplakatwerbung ausgegeben hat, hätte man viel besser investieren können. Einige Obdachlose hätten sich über eine warme Mahlzeit gefreut. Und ich wäre auch dafür gewesen...

Kommentare:

  1. Das Problem haben wir in unserer Stadt auch; hier wird auch von einem hohen Lebensstandard gesprochen - dem gegenüber steht eine hohe Zahl Altersarme und Obdachlose. Für diese Menschen muss es schrecklich sein zu sehen, dass viele Wohnungen leerstehen, Geschäfte gute Lebensmittel abends in den Müll werfen und Tiefgaragen etc. verschlossen werden, wo man die Nacht zumindest trocken und einigermaßen windgeschützt verbringen kann. Da machen viele Leute die Augen zu... Es ist manchmal schwer zu ertragen!
    Wenn man dann noch mitverfolgt wie sehr sich unsere Regierung bei den Koalitionsverhandlungen gegen den Mindestlohn gesträubt hat, da kann man nur noch den Kopf schütteln... Ich mag gar nicht an Weihnachten denken und wie sich diese Mernschen fühlen...

    Herzlichst, Nina

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    1. Hi Nina,
      dankeschön für deinen Kommentar. Schön zu sehen, dass es noch mehr Menschen gibt die sich darüber Gedanken machen. Man kann so viel für diese Menschen tun...und so wenige interessieren sich dafür. Wirklich schade.

      Liebe Grüße
      Danny

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