Montag, 18. August 2014

Erst wenn es richtig dunkel ist, sieht man die Sterne


Das Leben ist voller Gegensätze. Und diese Gegensätze liegen dicht nebeneinander, sie gehören irgendwie zusammen. Erst wenn ich einmal einsam bin, weiß ich die Gegenwart anderer Menschen zu schätzen. Erst wenn ich ein Tief habe, weiß ich die guten Zeiten zu schätzen. Erst wenn ein Mensch wirklich für immer weg ist, weiß man auch seine schlechten Seiten zu schätzen. Woher weiß ich, dass ich einen Menschen vermisse, wenn dieser immer da ist. Ich weiß es erst, wenn er nicht mehr da ist. Wer einmal für längere Zeit Langeweile und Beständigkeit hatte, weiß Abwechslung zu schätzen. 

Mit anderen Worten, um etwas im Leben zu schätzen, muss ich erst das Gegenteil kennen lernen. Damit meine ich nicht nur, es zu kennen, sondern wirklich auch am eigenen Leib zu erleben. Zwischen Wissen und Erleben ist ein riesengroßer Unterschied. Wir verstehen auch Freunde, Familie oder Bekannte besser, wenn wir etwas durchmachen, was sie selbst schon durchgemacht haben. Auch wenn wir durch unser Mitgefühl ähnliches spüren können, wenn diese Menschen uns davon erzählen. Das ist auch umgekehrt so, wir werden selbst besser verstanden, wenn andere Menschen das gleiche durchmachen wie wir selbst, auch wenn wir es manchmal niemandem wünschen möchten. 

Das Leben wird allzu oft nur so dahin gelebt, die Tage gleichen einer dem anderen und Abwechslung besteht darin, jeden Tag etwas anderes zu essen oder zu trinken. Aber es wird nicht viel darüber nachgedacht, was für einen schönen Tag wir hatten, auch wenn er nicht ungewöhnlich war. Darüber denkt man dann nach, wenn einmal schlechtere Zeiten kommen. In der Not sieht man die Hoffnung. Dann erst sieht man, welche Menschen sich entfernen und welche noch immer da sind. Das ist der Moment, wo man dazu lernt und das Gelernte auch nicht mehr so leicht vergisst.

Tagsüber denkt man nicht über die Sterne nach. Obwohl sie da sind. Erst wenn man nachts zur Ruhe kommt und ein wenig Zeit hat in den Himmel zu blicken, dann sind die Sterne da. Dann können wir sie zahlreich sehen. Vielleicht muss man einmal eine Zeit lang alleine sein um überhaupt in die Sterne zu blicken und nachzudenken. Jeder kann in den Sternen sehen, was er möchte. Ich sehe die Hoffnung, die immer da ist, Nacht für Nacht.

Ich finde es sehr wichtig, das Leben zu schätzen. Es ist wichtig, die Menschen, die uns durch das Leben begleiten zu schätzen. Es ist wichtig, seine guten und seine schlechten Momente im Leben zu schätzen und diese nicht zu vergessen. Das Leben ist kein Stamm, der immer nach oben wächst. Das Leben schlägt Wurzeln und aus dem Stamm wachsen viele Äste. Die Richtung wissen wir nicht immer, aber wir werden diese Richtung gehen. Manche Äste bedeuten gute Momente, manche bedeuten schlechte Momente im Leben. Aber immer gehören diese Momente zum Leben und mit dem Stamm bilden sie den Menschen, der wir sind. 

Kommentare:

  1. deine zeilen gehen mir tief unter die haut, da ist was wahres dran!

    ich selbst schätze momentan ziemlich wenig...bei mir läuft zur zeit alles schief und ich bin nur noch genervt :( werde mir deine zeilen sehr zu herzen nehmen, danke dir dafür!

    glg, heike

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    1. Hallo,
      die Worte kommen einfach so, wie sie im Kopf sind. :-)
      Niemand hat nur gute Momente, Zeiten wo nichts läuft gibt es immer wieder. Daraus nehmen wir die Erfahrung mit.
      Liebe Grüße
      Danny

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  2. So tiefsinnige Gedanken am Morgen... wie tiefschichtig sind sie, wenn du des Nachts die Sterne betrachtest? ;-)
    Die Parabel mit dem Baum gefiel mir insbesondere.

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    1. Guten Morgen,
      tatsächlich wurde der Text am späten Abend geschrieben :-)
      Nicht immer sind die Gedanken tiefsinnig, wenn ich die Sterne betrachte. Gedanken kommen auch mal zufällig :-) Ich genieße es aber auch, ganz ohne Gedanken länger in die Sterne zu blicken. :-)
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Liebe Grüße
      Danny

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  3. Wirklich schön geschrieben.
    Ich glaube es ist ganz wichtig, diesen Punkt zu finden, an dem man das Leben Tag für Tag schätzen kann. Denn glücklich sein, ist eigentlich gar nicht so schwer :)

    Viele Grüße <3

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    1. Hi,
      Dankeschön. Ein Satz, der mich lange beschäftigt hat und für den ich mir wieder mehr Zeit zum Schreiben genommen habe. :-)
      Nein ist nicht schwer, es erfordert aber von vielen Menschen auch Mut um glücklich zu sein. :-)
      Liebe Grüße
      Danny

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