Samstag, 21. Februar 2015

Guess what...I am not a robot


(Der Titel ist ein Song von Marina and the Diamonds...toller Song, toller Text)

Die Roboter sind unterwegs, jedenfalls habe ich oft das Gefühl, dass es so ist. Ich lebe in einer großen Stadt und gehe mit offenen Augen durch die Straßen. Es lässt sich nicht vermeiden, mir die Menschen genau anzusehen, die so an mir vorbeigehen. Oder in einem Supermarkt sind, oder in einem Café oder Restaurant sitzen. Auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es kommt mir vor, dass die Menschen ganz steife Regeln für das Verhalten im öffentlichen Raum haben müssen. 

Nur nicht lächeln oder grinsen, den Kopf nicht zu weit nach links oder rechts drehen, immer geradeaus schauen und den Blicken anderer Menschen ausweichen. Wenn das nicht möglich ist, dann einfach ignorieren und so tun, als hätte man es nicht bemerkt. Nicht locker in der U-Bahn sitzen sondern ganz gerade und nach vorne blickend. Andere Menschen sieht man ja nicht an, das macht man einfach nicht. So sagt es die eigene moralische Regel. Ganz so, wie es auch in Aufzügen üblich ist zum Beispiel. 

Es geht ganz einfach darum, nicht aus der Reihe zu tanzen und aufzufallen. Am besten verhält man sich so, wie es andere Menschen gerne sehen möchten und nicht den Kopf schütteln, wenn etwas anders ist, als sie erwarten. Man muss eben zu jeder Zeit und zu jeder Gelegenheit das Richtige tun. Also das Richtige für alle Anderen. Im Supermarkt brav in der Warteschlange stehen und möglichst ganz genau hinter dem Vordermann, also nicht etwa ein paar Zentimeter links oder rechts vorbeischauen. Sofort dreht sich die Vorderfrau oder der Vordermann um und schaut ob sich nicht jemand nach vorne schummeln möchte. Dazu wirft man demjenigen am besten noch einen bösen Blick zu. 

Je länger ich darüber nachdenke, desto seltsamer kommen mir einige Verhaltensregeln in der Öffentlichkeit vor. Nicht miteinander sprechen, wenn man sich nicht kennt. Nicht ansehen, ignorieren und bloß nichts falsches machen oder sagen. Immer wissen was man möchte, sich bloß nicht anders entscheiden. Immer sachlich bleiben und keine Emotionen zeigen. Schließlich hört man ja oft genug, dass Gefühle auch irgendwie ein Zeichen von Schwäche sein sollen. In der Öffentlichkeit hat man am besten ein Pokerface.

Leider kann ich mich an solche Regeln nicht halten. So wurde ich nicht erzogen und so bin ich nicht. Werde ich auch nie sein. Ich denke oft an etwas Lustiges und muss auch mal in der Öffentlich breit grinsen oder kurz lachen. Hin und wieder kann ich nicht aufhören zu Lachen. Ihr könnt euch denken, wie einen da die Leute ansehen. :-) Auch beim Einkaufen entscheide ich mich manchmal anders und in einer Warteschlange bewege ich mich auch immer wieder auf die Seite. Und ehrlich gesagt, genieße ich die bösen Blicke anderer Menschen.

Wenn ich öffentlich Musik höre, also mit mp3-Player und Ohrstöpsel, kann ich auch nicht einfach emotionslos diese Musik hören. Sie ruft auch Emotionen hervor und das merkt man mir auch an. Die Menschen sehen mich an, als hätten sie irgendwie Angst. Ich verhalte mich eben nicht, wie alle anderen Menschen. Es kommt immer wieder vor, dass ich alleine in einem Restaurant esse oder alleine einen Kaffee trinke. Weil ich eben gerade will. Es dürfte in Wien sehr unüblich sein, alleine zu essen oder zu trinken. Wenn ich daneben auch noch zeichne oder male, dann gilt man endgültig als verrückt. Also ganz ehrlich...lieber bin ich verrückt, als alle anderen Menschen... :-)

Kommentare:

  1. du sprichst mir mal wieder aus der Seele...ich finde diese Abkapselung auch sehr traurig...

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    1. Hi,
      es hat ja vielleicht Gründe, die ich nicht kenne, dass sich die Menschen so verhalten. Niemand weiß genau, was in ihnen vorgeht und warum sie so sind wie sie sind. Seltsam finde ich manches aber trotzdem..
      Liebe Grüße
      Danny

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  2. Guten Morgen Danny,
    dass kommt mir so bekannt vor ;-) Allerdings finde ich, dass seit Einführung der Walkmans - puh, bin ich alt ;-( die Kommunikation im öffentlichen Raum immer schwieriger geworden ist. Früher war es nur schwierig an die Buch & Zeitungsleser heranzukommen. Aber dank i-Pod, Smartphone, Tablet und e-Book isolieren sich die Menschen in Bussen und Bahnen und irgendwo beim Warten doch immer mehr. Das fiel mir ganz extrem vor 2 1/2 Jahren auf einer einstündigen Zugfahrt im Großraumabteil auf. Wir hatten allerdings das Glück, dass in unserer Nähe eine total aufgeweckte Schülerin saß, mit der wir irgendwie sofort ins Gespräch kamen. Wir haben in auf Anhieb fast das Abteil unterhalten und reichlich böse Blicke kassiert. Aber das war die bisher schönste Zugfahrt, die ich erlebt habe. Nur so etwas wird leider immer seltener und die Menschen verlernen wohl immer mehr die reale Kommunikation. Und Toleranz ist ohnehin ein großes Problem :-(
    VG Silke

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    1. Hallo Silke,
      keine Sorge, auch ich war bei der Einführung des Walkmans dabei ;-)
      Du hast schon recht...und wie auch noch. Nur wenige Menschen schauen nicht auf ihre Handys oder E-Reader, wenn sie in den öffentlichen Verkehrsmitteln sitzen. Es kommt schon wirklich selten vor, dass man mit jemandem ins Gespräch kommt. Schon gar nicht wird es vorkommen, dass ich als Mann mit einer Frau ins Gespräch komme...einfach nur reden würde einen verdächtig machen. Man könnte ja was wollen...was natürlich nicht so ist.
      Dabei ist es schon so, dass ich mich auch gerne mit fremden Menschen unterhalte, auch wenn es so selten der Fall ist. Das Problem mit der Toleranz findet sich leider überall :-(
      Die Geschichte mit der Zugfahrt mag ich und finde ich schön, die bösen Blicke hätte ich mit Vergnügen ausgehalten. :-)
      Liebe Grüße
      Danny

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  3. Lieber Danny,
    wieder mal ein Text zum Nachdenken! Du hast schon recht, überwiegend ist das Verhalten der Menschen so wie du es beschreibst, aber es gibt auch Ausnahmen...es kommt auch darauf an, wie man selbst auf die Menschen zugeht, also sie vielleicht anspricht, anlächelt etc. Komischerweise ist das Verhalten bei kleinen Kindern noch nicht zu beobachten...prägt sich also erst irgendwann später aus...Die Winzlinge "flirten", "starren" und "lachen" noch ganz ohne Scheu z. Bsp. aus dem Einkaufswagen vor einem an der Kasse. Es ist auch ein Unterschied, ob man sich in einer Großstadt aufhält oder in einem kleineren Ort - zumindest ist mir das schon aufgefallen, je mehr Menschen desto anonymer gestaltet sich das Ganze.

    Liebe Grüße
    Petra




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    1. Hi Petra,
      es gibt immer Ausnahmen und man kann in einen Menschen, den man nicht kennt auch nicht hineinsehen, warum er so ist wie er ist. Das ist es, was mich zum Nachdenken bringt. Ich habe von meinen Eltern gelernt, auf die Menschen so zuzugehen, als würde ich sie schon lange kennen. Sie waren immer sehr kommunikativ und niemals schüchtern, mit anderen Menschen zu sprechen, die sie nicht kennen. So machen es auch mein Bruder und ich. :-)
      Von Kindern kann man immer wieder viel lernen, ich merke das wieder, jetzt wo wir wieder Kinder in der Familie haben. Sie sind einfach spitze, so wie sie sind.
      Auch der regionale Unterschied macht es aus, du hast vollkommen recht. Das ist mir auch schon sehr oft aufgefallen. Deshalb möchte man auch immer wieder aus der Stadt fliehen. Auch hier ist es auf dem Land so, dass die Menschen zugänglicher sind, als in der Stadt. Das ist wohl überall gleich. :-)
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
      Danny

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